Vortrag Windenergietagung

Unser Rückblick auf die Windenergietagung

veröffentlicht um 6:32 am 7. Mai 2026

Windenergietagung Hinweg zu Haus DüsseAm 16. April 2026 fand auf Haus Düsse in Bad Sassendorf die Windenergietagung der Landwirtschaftskammer NRW statt. Mehrere hundert Teilnehmende – darunter Flächeneigentümer, Betreiber, Projektentwickler und Kommunen – nutzten die Veranstaltung, um sich über aktuelle Entwicklungen der Windenergie zu informieren und auszutauschen. Darunter waren mit Oliver Föhring und Nils Quellenberg auch zwei unserer Windenergie-Versicherungsexperten. Neben einer hohen Vortragsqualität fiel insbesondere der starke Praxisbezug auf: Viele Themen wurden nicht nur theoretisch beleuchtet, sondern anhand konkreter Projekte und Herausforderungen aus dem Markt eingeordnet.

Rolle der Flächeneigentümer

Ein Vortrag der Tagung beschäftigte sich mit der Rolle von Flächeneigentümern. Ihre Bedeutung geht mittlerweile weit über das reine Bereitstellen von Flächen hinaus. Sie agieren als Vermittler zwischen Projektbeteiligten, tragen zur lokalen Akzeptanz bei und können wirtschaftlich am Projekt beteiligt werden. Der Vortrag lieferte nicht nur praxisnahe Hinweise zur Vertragsgestaltung, sondern hob auch typische Knackpunkte hervor. Ein wichtiges Fazit: Fehler in frühen Vertragsphasen können sich später massiv auf die Wirtschaftlichkeit und den Projekterfolg auswirken.

Batteriespeicher

Collage BatteriespeicherEin weiterer Schwerpunkt der Veranstaltung lag auf Batteriespeichern – ein Thema, das auch in den Diskussionen besonders präsent war. Die Vorträge verdeutlichten, warum Speicher zunehmend unverzichtbar werden: Die Volatilität im Stromnetz nimmt durch den Ausbau erneuerbarer Energien zu, Netzausbau und Erzeugung wachsen jedoch nicht im gleichen Tempo. Gleichzeitig steigen die Preisschwankungen am Strommarkt. Sichtbar wurde aber auch eine enorme Diskrepanz zwischen Nachfrage und Umsetzung. Allein 2024 wurden über 9.700 Speicheranfragen gestellt, nur ein Bruchteil davon aber tatsächlich genehmigt.

Vom Windpark zum Hybridpark

Windrad hinter PhotovoltaikanlageEin klarer Trend ist die Entwicklung hin zu Hybridparks, d.h. einer Kombination von Windenergie, Photovoltaik und Speicher. Ziele sind die bessere Auslastung vorhandener Netzanschlüsse, die Vermeidung von Abregelung (Redispatch) sowie das Erzielen zusätzlicher Erlöse durch die flexible Einspeisung bei höheren Strompreisen. Gerade angesichts begrenzter Netzanschlusspunkte wird die intelligente Kombination verschiedener Technologien immer wichtiger.

Grünstrom und PPA

Anstieg von PPAs GrafikEin weiterer inhaltlicher Schwerpunkt lag auf der Grünstromversorgung von Unternehmen. Hier gewinnen Power Purchase Agreements (PPA) zunehmend an Bedeutung, da sie die Unabhängigkeit von klassischen Fördermechanismen wie dem EEG ermöglichen und für langfristige Preisstabilität sorgen. Gleichzeitig wurde aber auch die Komplexität der Umsetzung hervorgehoben. Diese Komplexität findet sich unserer Erfahrung nach auch in der korrekten Absicherung solcher Projekte wieder. Neben den Lieferverpflichtungen gibt es für den passenden Versicherungsschutz weitere Aspekte zu berücksichtigen, etwa den Umgang mit Über- und Unterdeckungen von Strommengen, die beteiligten Rollen (Unternehmerpool, Projektierer, Direktvermarkter, Abnehmer etc.) und ihre jeweilige Ausgestaltung sowie die Besitzverhältnisse, etwa bezüglich der Infrastruktur. Hier helfen wir Ihnen gerne weiter.

Vortrag WindenergietagungPraxisbeispiele: Repowering und Direktbelieferung

Besonders greifbar wurden die Themen durch konkrete Projekte, etwa im Bereich Repowering und Direktstromlieferung. Am Beispiel eines Projekts in Lippstadt wurde gezeigt, wie durch Repowering mit leistungsstärkeren Anlagen deutlich höhere Stromerträge möglich sind. Gleichzeitig konnte die lokale Akzeptanz durch Beteiligungsmodelle gestärkt werden. So wurde etwa Bürgerbeteiligung über Nachrangdarlehen umgesetzt – ein Modell, das finanzielle Teilhabe ermöglicht. Ein weiteres Beispiel zeigte die Direktversorgung eines Industrieunternehmens. Dort deckt ein Windpark einen erheblichen Teil des Strombedarfs eines Unternehmens, wobei Überschüsse ins Netz eingespeist werden und die Lieferung als „pay as produced“ erfolgt. Diese Modelle verdeutlichen, wie sich Windenergie zunehmend in industrielle Wertschöpfungsketten integriert.

Rückbaubürgschaften: Sicherheit gewinnt an Bedeutung

abgebaute WEAEin weiterer praxisrelevanter Punkt war das Thema Rückbau von Windenergieanlagen. Insbesondere Flächenbetreiber stellten die Frage, was im Falle einer Insolvenz des Betreibers mit den Anlagen passiert und wer für den Rückbau verantwortlich ist. Hier gibt es klare rechtliche Vorgaben: Für Betreiber besteht die Pflicht zum Abschluss einer Rückbaubürgschaft. Bei den Windenergietagen wurden in diesem Zusammenhang Bankavale vorgestellt. Nicht berücksichtigt wurde dabei, dass behördlich geforderte Rückbaubürgschaften mittlerweile auch zuverlässig und vorteilhaft über den Versicherungsmarkt abgebildet werden können. Gerne beraten wie Sie zu diesem Thema.

Herausforderungen bleiben: Genehmigungen und Netzinfrastruktur

Trotz aller Fortschritte wurde auch klar: Viele Projekte scheitern oder verzögern sich nicht wegen der Technik, sondern an unzureichenden Rahmenbedingungen. Zentrale Probleme sind langwierige Genehmigungsverfahren, fehlende Netzanschlusspunkte sowie begrenzte Infrastrukturkapazitäten. Die Vorträge bestätigten damit die Eindrücke aus den Gesprächen vor Ort: Der Ausbau der Windenergie hängt maßgeblich an der Systemintegration.

Gespräch vor Windenergieanlage Fibier, Föhring, Nonn, SchlösserFazit: Windenergie wird komplexer – und gleichzeitig unverzichtbarer

Die Windenergietagung 2026 hat deutlich gezeigt, dass sich die Branche äußerst dynamisch entwickelt. Allerdings steigt die Komplexität in nahezu allen Bereichen. Gleichzeitig bleibt die Windenergie ein zentraler Baustein für Versorgungssicherheit, Klimaschutz und industrielle Wettbewerbsfähigkeit. Für alle Beteiligten gilt daher: Fundiertes Wissen, sorgfältige Planung und eine ganzheitliche Betrachtung von Chancen und Risiken werden zunehmend entscheidend für den Projekterfolg.

Porträt Jutta Krämer

Die Autorin:

Jutta Krämer ist beim Enser Versicherungskontor zuständig für das Marketing und die Pressearbeit. Die gelernte PR- und Online-Redakteurin arbeitet seit 2015 für das Enser Versicherungskontor.

02938/9780-70, kraemer@evk-oberense.de