Windräder vor Sonnenuntergang

Metalldiebstahl an Windenergieanlagen

veröffentlicht um 7:29 am 12. Januar 2026

In den letzten Jahren ist die Zahl der Diebstähle in Zusammenhang mit Photovoltaikanlagen, insbesondere bei abgelegenen Freiflächenanlagen, spürbar gestiegen. Dabei gerieten durch den Preisverfall bei Modulen und Wechselrichtern verlegte Elektro- und insbesondere Kupferkabel in den Fokus der Diebesbanden. Schon in 2024, aber insbesondere im vergangenen Jahr, hat darüber hinaus der Metalldiebstahl an Windenergieanlagen deutlich zugenommen. In unserem neuen Blogbeitrag nehmen wir die Gründe und das Vorgehen der Diebe unter die Lupe, informieren über mögliche Schutzmaßnahmen bei Windenergieanlagen und erklären, was Sie im Falle eines Diebstahls unbedingt beachten müssen.

Gründe für den Anstieg beim Edelmetalldiebstahl

abgeschnittene Kabelstränge in einer WindenergieanlageEinbrecher bevorzugen die dunkle Jahreszeit. Entsprechend nehmen die Einbruch-Diebstähle in Windenergieanlagen in diesen Monaten deutlich zu. Da Windkraftanlagen häufig in abgelegenen Gebieten stehen, vergeht oft wertvolle Zeit, ehe der Diebstahl bemerkt wird. Zwar erhalten Betreiber und/oder Hersteller über die Fernwartung eine Information, wenn es zu einer Störung kommt und die Anlage außerplanmäßig stillsteht, doch bis ein Techniker vor Ort ist, dauert es oft bis zum nächsten Morgen. In dieser Zeitspanne können Diebe ungestört arbeiten. Ein weiterer Grund für die vermehrten Diebstähle sind die gestiegenen Metallpreise. So hat sich der Kupferpreis seit August 2025 mit kleineren Schwankungen deutlich erhöht, von knapp über 8.000 Euro auf fast 11.000 Euro je Tonne.

Fehlende Kabelstränge im Turm einer WindenergieanlageVorgehen der Metalldiebe

Für den Kabeldiebstahl braucht es fundierte technische Fachkenntnisse, denn der Diebstahl der Kabel ist aufwändig und risikoreich. Zunächst muss die Anlage frei geschaltet und gestoppt werden. Für das Entwenden der Stromkabel müssen die Diebe dann in den Turm klettern und die Kabel durchtrennen, die im Innern der Türme von der Spitze der Anlagen bis zum Netzanschluss am Boden verlaufen. Bei uns gemeldeten Einbrüchen wurden pro Anlage bis zu 1 km Kabel entwendet. Hinzu kommen Kupferschienen, Schaltschränke und alles andere, was sich zu Geld machen lässt.

Hoher finanzieller Schaden

Schadenfoto im Aufzug einer Windenergieanlage infolge EdelmetalldiebstahlDer finanzielle Schaden für Windparkbetreiber ist enorm. Angaben betroffener Betreiber zufolge liegt die Schadensumme schnell bei über 100.000 Euro. Zum Materialverlust kommen oft größere Reparaturkosten. Denn nicht selten verursachen die Diebe beim Durchtrennen der schweren Kabel große Schäden im Innern der Anlage, etwa am Fahrstuhl, wenn die schweren Stränge unkontrolliert durch den Turm zu Boden fallen. Auch die Folgekosten sind hoch. Denn nach einem Diebstahl ist eine Windkraftanlage nicht mehr betriebsfähig bis neue Kabel beschafft und installiert worden sind. Dies ist oft mit langen Wartezeiten verbunden. Es dauert nicht selten mehrere Monate, bis eine Anlage wieder in Betrieb genommen werden kann. Neben den Material- und Reparaturkosten entstehen für die Betreiber also erhebliche Einnahmeverluste durch den Stillstand der Anlagen.

Was können Betreiber tun?

Videokamera und AlarmanlageAngesichts der steigenden Diebstahlzahlen und der damit verbundenen hohen finanziellen Schäden sollten Sie als Betreiber darüber nachdenken, die Sicherheitsmaßnahmen zu verstärken – auch wenn dies versicherungsseitig nicht vorgeschrieben ist. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten. Den Umstand, dass Einbrecher die Dunkelheit bevorzugen, können Sie als Betreiber zu Ihrem Vorteil nutzen. Bewegungsmelder-gesteuerte Beleuchtung kombiniert mit einer Alarmanlage und Videoüberwachung kann potenzielle Täter abschrecken. Hier gibt es beispielsweise entsprechende Kameramasten mit Licht- und Alarmsystem. Generell geht es darum, die Einbrecher zu stören – das ist neben Licht beispielsweise auch durch Lärm, etwa Sirenen, möglich. Auch Türkontakte mit Aufschaltung können helfen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang eine funktionierende Meldekette. Eine Alarmaufschaltung an einen Sicherheitsdienst oder direkt zur Polizei ist hier empfehlenswert.

Folgende Aspekte können Sie organisatorisch darüber hinaus tun, um die Sicherheit zu erhöhen:

  • Stellen Sie sicher, dass alle Beteiligten über die Zugangswege zur Anlage bzw. zum Park informiert sind.
  • Lassen Sie allen am Sicherheitskonzept beteiligten Personen eine Parkskizze mit Lage und Zugängen zukommen.
  • Überprüfen Sie regelmäßig die Funktionstüchtigkeit der Meldekette.
  • Binden Sie Personen vor Ort (z.B. Nachbarn, Grünpfleger oder Jäger) in das Sicherheitskonzept ein.
  • Kontrollieren Sie die Anlagen regelmäßig – entweder persönlich oder über die Fernwartungs-App. Hier laufen außerplanmäßige Abschaltungen ein.
  • Insbesondere bei Baustellen von Windparks kann mittlerweile eine Überwachung rund um die Uhr Sinn machen.

Vorgehensweise im Schadenfall

Sollte es trotz aller Sicherheitsmaßnahmen zu einem Diebstahl kommen, ist ein strukturiertes Vorgehen entscheidend:

  • Informieren Sie umgehend die Polizei und erstatten Sie Anzeige, sofern keine direkte Aufschaltung besteht.
  • Melden Sie den Schaden unverzüglich Ihrer Versicherung. Bei uns können Sie sich direkt bei Ihrem Ansprechpartner im Haus melden oder unser Schadenformular auf der Website nutzen. Natürlich sind wir im Schadenfall rund um die Uhr und auch am Wochenende für Sie erreichbar. Hier finden Sie die Notfallnummern.
  • Dokumentieren Sie den Schaden durch Fotos und ggf. Videos, sobald die Polizei die Beweissicherung abgeschlossen hat.

Wenn Sie Fragen oder Beratungsbedarf haben, kommen Sie gerne auf uns zu. Auch zum Thema „Diebstahl an Photovoltaikanlagen“ haben wir vor einiger Zeit einen Blogbeitrag verfasst. Diesen können Sie hier nachlesen.

Porträtbild Thorsten Schulte

Thorsten Schulte arbeitet beim Enser Versicherungskontor als Schadeningenieur. In dieser Funktion verantwortet der Diplom-Ingenieur die technische Schadenabwicklung insbesondere in den Bereichen Windenergie und Photovoltaik.

02938/9780-24, schulte@evk-oberense.de