Oliver Föhring vor Agri-PV-Anlage

Agri-PV Tagung 2026: EEG 2027, Speicher und neue Geschäftsmodelle im Fokus

veröffentlicht um 6:05 am 15. Juni 2026

Außenansicht Haus DüsseAm 21. Mai 2026 fand im Versuchs- und Bildungszentrum Landwirtschaft Haus Düsse in Bad Sassendorf die jährliche Agri-PV-Tagung der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen statt. Mit fünf Fachvorträgen und ausführlichen Fragerunden bot die Veranstaltung einen umfassenden Überblick über die aktuellen Entwicklungen im Bereich Freiflächen- und Agri-Photovoltaik. Vom EVK mit dabei war unser EE-Versicherungsexperte Oliver Föhring. Die gut besuchte Veranstaltung richtete sich an Akteure aus Landwirtschaft, Energiewirtschaft, Verwaltung und Forschung. Insbesondere Landwirte, Flächeneigentümer und Projektierer nutzten die Gelegenheit für einen intensiven Austausch. Die Gespräche machten deutlich: Agri-PV wird zunehmend als konkretes Betriebsmodell und weniger als Zukunftsvision betrachtet.

Photovoltaik gewinnt weiter an Bedeutung

Vortrag Agri-PV-Tagung Zahlen PhotovoltaikZum Auftakt stellte Dr. Julia Bellenbaum vom Wirtschaftsministerium NRW die Entwicklung des Photovoltaik-Ausbaus in Nordrhein-Westfalen vor. Ende 2025 waren in NRW bereits 14,3 Gigawatt Photovoltaikleistung installiert. Das Land verfolgt das Ziel, bis 2030 zwischen 21 und 27 Gigawatt zu erreichen. Allein im Jahr 2025 wurden rund 2 Gigawatt neu installiert – das dritte Jahr in Folge mit einem Zubau von mehr als 2 Gigawatt.

Besonders interessant für die Teilnehmer war die Entwicklung im Bereich der Freiflächenanlagen. Der Ausbau hat sich seit 2024 deutlich beschleunigt. Ende 2025 waren in NRW rund 1.172 Megawatt Freiflächen-Photovoltaik installiert, davon jedoch bislang nur ein kleiner Anteil als Agri-PV-Anlagen.

Agri-PV: Komplexer Rechtsrahmen und hohe Anforderungen

Einen Schwerpunkt der Tagung bildete die rechtliche Einordnung von Agri-PV-Anlagen. Rechtsanwältin Alexandra Thiel erläuterte die komplexen Anforderungen, die sich aus Energierecht, Baurecht, Agrarförderrecht und Steuerrecht ergeben. Agri-PV bewegt sich heute in einem Zusammenspiel aus EEG-Regelungen, den Vorgaben der Bundesnetzagentur, der DIN SPEC 91434 sowie den Anforderungen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP).

Besondere Aufmerksamkeit erhielt die Frage, wie sich Agri-PV-Anlagen von klassischen Freiflächenanlagen unterscheiden und welche Voraussetzungen erfüllt werden müssen, um als „besondere Solaranlage“ eingestuft zu werden. Die DIN SPEC 91434 definiert dabei konkrete Anforderungen an Planung, Betrieb, Dokumentation und landwirtschaftliche Nutzung. Bereits in der Planungsphase muss ein landwirtschaftliches Nutzungskonzept erstellt werden. Nach der Inbetriebnahme sind regelmäßige Nachweise über die fortlaufende landwirtschaftliche Nutzung erforderlich. Für viele Flächeneigentümer standen zudem steuerliche Fragestellungen im Fokus, insbesondere die Bewertung von Anlagen im Rahmen von Hofübergaben und Erbfällen.

EEG 2027 sorgt für intensive Diskussionen

Vortrag Agri-PV-Tagung EEGKaum ein Thema wurde so intensiv diskutiert wie die zukünftige Ausgestaltung des EEG. Der Referentenentwurf für das EEG 2027 war in vielen Gesprächsrunden präsent. Die Teilnehmer äußerten erhebliche Bedenken hinsichtlich der geplanten Abschaffung des eigenständigen Agri-PV-Subsegments. Viele sehen die Gefahr, dass Agri-PV-Projekte künftig im Wettbewerb mit klassischen Freiflächenanlagen an Wettbewerbsfähigkeit verlieren könnten. Ebenso kritisch wurden die aus Sicht der Branche zu geringen Ausschreibungsvolumina sowie die fehlende Planungssicherheit für kleinere Projekte unter 1 Megawatt bewertet. Gerade für landwirtschaftliche Betriebe stellen diese Anlagengrößen häufig den wirtschaftlich sinnvollsten Einstieg dar. Auffällig war die zunehmende Bereitschaft vieler Landwirte und Projektentwickler, sich politisch stärker einzubringen. Die Forderung nach verlässlichen Rahmenbedingungen und langfristiger Investitionssicherheit zog sich wie ein roter Faden durch die Veranstaltung.

Genehmigungsverfahren bleiben eine Herausforderung

Praxisberichte aus laufenden Projekten zeigten, dass Genehmigungsprozesse weiterhin zu den größten Herausforderungen zählen. Landwirt Henning Kruse stellte anhand eines konkreten Projekts die einzelnen Schritte von der Planung bis zur Bewirtschaftung einer Agri-PV-Anlage vor. Dabei wurde deutlich, dass sowohl Bebauungsplanverfahren als auch Netzanschlüsse erhebliche Zeit in Anspruch nehmen können. Die erfolgreiche Umsetzung verlangt eine enge Abstimmung zwischen Projektentwicklern, Kommunen, Netzbetreibern und Flächeneigentümern. Auch die praktische Nutzung der Flächen wurde diskutiert. Die Anlagen müssen so gestaltet werden, dass die landwirtschaftliche Bewirtschaftung weiterhin möglich bleibt. Gleichzeitig stehen Betreiber vor der Herausforderung, behördliche Anforderungen an Sicherheitsmaßnahmen und Einfriedungen umzusetzen.

Batteriespeicher werden zum zentralen Erfolgsfaktor

Collage BatteriespeicherEin weiteres Kernthema war die zunehmende Bedeutung von Batteriespeichern. Sowohl in den Vorträgen von Henning Kruse als auch von Robin Hoffmann von Outarky wurde deutlich, dass die Wirtschaftlichkeit vieler Freiflächen- und Agri-PV-Projekte künftig eng mit Speicherlösungen verknüpft sein wird. Hintergrund sind steigende Schwankungen an den Strommärkten, zunehmende Phasen negativer Strompreise und wachsende Anforderungen an die Netzstabilität. Speicher ermöglichen es, überschüssigen Solarstrom gezielt zwischenzuspeichern und zu Zeiten höherer Preise zu vermarkten. Gleichzeitig können sie Lastspitzen reduzieren und zusätzliche Erlösquellen erschließen. Mehrere Referenten vertraten die Einschätzung, dass sich moderne Freiflächenanlagen künftig vielfach nur noch in Kombination mit Speichern optimal wirtschaftlich betreiben lassen.

Energy Sharing: Neue Perspektiven für Bürgerenergie und Unternehmen

Betreiber vor einer AltanlageMit dem Thema Energy Sharing rückte zudem ein Bereich in den Fokus, der in den kommenden Jahren ebenfalls an Bedeutung gewinnen dürfte. Ralf Schütte von der Energiegenossenschaft Hellweg-Sauerland stellte Praxisbeispiele aus Bürgerenergieprojekten vor und erläuterte die Möglichkeiten gemeinschaftlicher Stromnutzung innerhalb von Energiegemeinschaften. Grundlage sind neue europäische Vorgaben, die Bürgern und Unternehmen künftig mehr Möglichkeiten eröffnen sollen, lokal erzeugten Strom gemeinschaftlich zu nutzen. Diskutiert wurden verschiedene Modelle – von lokalen Energiegemeinschaften über Strom-Communities bis hin zu Energy-Sharing-Konzepten für Unternehmen. Die Teilnehmer waren sich einig, dass hier erhebliche Potenziale für die regionale Wertschöpfung und eine höhere Akzeptanz der Energiewende entstehen können.

Unser Fazit: Projektabsicherung gewinnt an Bedeutung

Mit zunehmender Projektgröße und steigenden Investitionssummen rückt auch das Thema Risikomanagement stärker in den Fokus. Denn Agri-PV-Projekte sind komplexe Infrastrukturprojekte mit langfristigen Verpflichtungen. Ein zentrales Thema wird deswegen u.a. die Absicherung von Rückbauverpflichtungen sein. Kommunen und Genehmigungsbehörden verlangen bei größeren Freiflächenanlagen Sicherheiten für den späteren Rückbau der Anlagen. Hintergrund ist die Frage, wie sichergestellt werden kann, dass Flächen nach Ablauf der Betriebszeit wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt werden. Neben klassischen Bankbürgschaften gewinnen dabei – wie im Windenergiemarkt auch – Versicherungslösungen an Bedeutung.

Die Diskussionen in Haus Düsse zeigten insgesamt, dass für erfolgreiche Agri-PV-Projekte belastbare Konzepte für Finanzierung, Genehmigung, Betrieb und langfristige Absicherung. entscheidend sind. Gerade vor dem Hintergrund der politischen Unsicherheiten rund um das EEG 2027 wird ein professionelles Risikomanagement zunehmend zu einem wichtigen Erfolgsfaktor.

Wir unterstützen Sie gerne, wenn Sie Fragen rund um die Absicherung von Photovoltaik-Anlagen und Batteriespeichern besitzen.

Porträt Jutta Krämer

Die Autorin:

Jutta Krämer ist beim Enser Versicherungskontor zuständig für das Marketing und die Pressearbeit. Die gelernte PR- und Online-Redakteurin arbeitet seit 2015 für das Enser Versicherungskontor.

02938/9780-70, kraemer@evk-oberense.de